Trans Alpine Run 03-09.09.2017

Abenteuer Trans Alpine Run 2017 - 274,5 km, 15300 Hm in 40 Stunden 50 Minuten verteilt auf 7 Tage von Deutschland nach Italien - Ein Traum wird wahr :-)
Stage 1 - Fischen - Lech: 41,8 km / 1700 Hm / Platz 67
Stage 2 - Lech - St. Anton: 26,9 km / 1800 Hm / Platz 105
Stage 3 ohne Flo - St. Anton - Landeck: 43,5 km 2200 Hm / Platz 78 theoretisch
Stage 4 ohne Flo - Landeck - Samnaun: 46,9 km 3000 Hm / Platz 56 theoretisch
Stage 5 ohne Flo - Samnaun - Scuol: 39,5 km 2250 Hm / Platz 66 theoretisch
Stage 6 ohne Flo - Scuol - Prad: 45,5 km 1750 Hm / Platz 73 theoretisch
Stage 7 ohne Flo - Prad - Sulden: 31,1 km 2600 Hm / Platz 52 theoretisch
11. Gesamtplatz von 70 Individualfinishern in 40 Stunden 50 Minuten

Vorbericht:

Ein neues Abenteuer stand bei mir auf dem Programm, vier Länder, zwei Läufer – eine Woche – ein (Alp)Traum :-) Da ich natürlich einen ebenbürtigen Teampartner brauchte, fiel die Wahl sofort auf Flo, meinem „Lieblingsgegner“. Ohne nachzudenken sagte der auch vor einem halben Jahr zu. Viel geplant hatten wir nicht und die Vorbereitung auf das Trailrunabenteuer lief irgendwie mit dem Training für den Ironman Frankfurt Ende Juli mit, den wir beide auch gar nicht so schlecht finishten. Je eine Trailruntrainingseinheit gab es dann noch in den Alpen und Bayerischen Wald. Wir wollten uns überraschen lassen und warfen uns selbst ins kalte Wasser :-) Leider machte uns gesundheitliche Probleme die letzten 3 Wochen zu schaffen, so dass wir beide nicht laufen konnten. Flo musste sich einer Antibiotika Kur, dank eines Zeckenbisses, unterziehen und ich hat große Probleme mit der Achillessehne. Na toll …




Anfahrt und Startunterlagen:

Ein neues Abenteuer stand bei mir auf dem Programm, vier Länder, zwei Läufer – eine Woche – ein (Alp)Traum :-) Da ich natürlich einen ebenbürtigen Teampartner brauchte, fiel die Wahl sofort auf Flo, meinem „Lieblingsgegner“. Ohne nachzudenken sagte der auch vor einem halben Jahr zu. Viel geplant hatten wir nicht und die Vorbereitung auf das Trailrunabenteuer lief irgendwie mit dem Training für den Ironman Frankfurt Ende Juli mit, den wir beide auch gar nicht so schlecht finishten. Je eine Trailruntrainingseinheit gab es dann noch in den Alpen und Bayerischen Wald. Wir wollten uns überraschen lassen und warfen uns selbst ins kalte Wasser :-) Leider machte uns gesundheitliche Probleme die letzten 3 Wochen zu schaffen, so dass wir beide nicht laufen konnten. Flo musste sich einer Antibiotika Kur, dank eines Zeckenbisses, unterziehen und ich hat große Probleme mit der Achillessehne. Na toll …




Stage 1 - Fischen - Lech 41,8 km 1700 Hm

Zeit: 4:56:08
Platz 67 Gesamt von 281
Platz 30 Wertung Men von 68

Oh je dachten wir als wir uns am Sonntag um 6 Uhr aus den Federn quälten. Draußen regnete es in Strömen und es hatte eisige 6 Grad. Wir packten alles zusammen und fuhren nach Fischen, wo wir unsere Taschen für den Transport zum heutigen Hotel abgaben und mein Auto stellten wir am Dauerparkplatz ab. Es regnete und regnete, also entschieden wir wie die meisten anderen, mit Regenjacke zu starten. Zuerst wärmten wir uns in der Kurhalle, bis uns ein Mitarbeiter von Plan B zur Rucksackkontrolle sprengte :-) Hier wurde die Ausrüstung kontrolliert und bis wir uns versahen, standen wir auch schon ziemlich weit vorne am Start. Um 8.55 war es dann so weit. Das Abenteuer Trans Alpine konnte starten. Highway to Hell schallte uns entgegen und ab ging es. Die ersten 10 km waren flach und Flo und ich konnten hier unsere Stärke ausspielen. Wir spulten diese in 47 Minuten runter. Endlich kamen die ersten Trails und Beraufpassagen. Wir entschieden, heute ohne Stöcke zu laufen, was eine gute Idee war. Endlich regnete es nicht mir und wir zogen die Jacken aus. Teilweise blitzte die Sonne durch die vielen Wolken. Das ballern hielt sich nach 20 Kilometern eher in Grenzen. Flo war top fit und ich hatte muskuläre Probleme im linken Fuß. Wahrscheinlich wegen der Fehlbelastung in den letzten Wochen wegen meines Achillessehnenproblems. Aber wir kamen vorwärts. Bergab wurden wir wie gewohnt überholt und bergauf, wie auch auf Forstwegen hielt sich dies in Grenzen, aber immer wieder mussten wir einen Platz herschenken. Wir kämpften was das Zeug hielt und die Höhenmeter flogen so dahin. Teilweise hatten wir Seilversicherte Passagen mit herrlichem Panorama zu bewältigen. Immer mehr blauer Himmel setze sich durch und endlich kamen die letzten 5 Kilometer. Schaffen wir es unter 5 Stunden? Könnte knapp werden. Meine Füße wollten eigentlich nicht mehr. Hoffentlich regeneriere ich bis morgen. Der letzte Kilometer war in Sicht und wir ballerten wieder. 3:45 Schnitt bergab ging irgendwie und schon waren wir im Ziel nach 4h 56 min 8 sec, nach 41, 7 km und 1700 Höhenmetern. Wir fielen uns in die Arme, die erste Etappe war geschafft und das als 67. Gesamt von 281 Startern. Wir zogen uns um und aßen eine Kleinigkeit am Finisher Buffet. Ich wollte meine Schuhe ausziehen, damit ich eine lange Hose überziehen konnte, was noch mit leichten Krämpfen klappte. Aber Schuhe wieder binden ging gar nicht. Ich bekam sofort Krämpfe in beiden Füßen. Es war natürlich ein Bild für Götter, als Flo meine Schuhbänder band. Nach dem Lauf marschierten wir zum 1 Kilometer entfernten Hotel, wo eine Dusche Wunder bewirken sollte und auch tat. Am Abend gingen wir auf die Finisher Party und aßen Lasagne. Beim Briefing wurde uns wieder erklärt, dass die Strecke für morgen wegen Schnees verändert werden muss. Wir sahen noch die schönsten Impressionen vom heutigen Tag und dann ging es endlich zurück ins Hotel, wo die Betten schon auf uns warteten. Let`s start the Highway to Hell again tomorrow :-)



Stage 1:


Ergebnis Stage 1:


Stage 2 - Lech - St. Anton: 26,9 km 1800 Hm

Zeit: 4:33:30
Platz 105 Gesamt von 278
Platz 36 Wertung Men von 68

Schwere Füße hatten wir am Morgen :-) Aber das sollte uns nicht hindern am Start der 2. Stage bis Sankt Anton zu stehen. Draußen war es eisig, um die 0 Grad. Wir stiefelten zur nächsten Bäckerei, wo wir frühstückten. Mit leerem Magen läuft es sich so schlecht :-) Am Start war noch nicht viel los, aber langsam trudelten die Läufer ein. Wir durften dank unserer Platzierung am gestrigen Tag in den Startblock A zu den ganzen Spezialisten :-) Da passten wir natürlich hin. Um 9 Uhr bei kaltem, aber klarem Bergwetter fiel wieder der Startschuss. Ca. 26 km und 1800 Höhenmeter mussten bewältigt werden. Eigentlich fast ein Ruhetag, aber wir wurden eines Besseren belehrt. Zuerst ballerten wir, wie alle anderen auf der Straße durch Lech. Schnell ging es einen Trail steil in Richtung Rüfikopf. Teilweise wurden wir ausgebremst und teilweise überpaceten wir um der Schlange zu folgen. Überholmöglichkeiten gab es fast keine, so blieben wir die nächsten 900 Höhenmeter wo wir waren. Wir liefen in die Sonne und in den Schnee. Die Landschaft am 2350 m hohen Rüfikopf war gigantisch. Schneebedeckte Berge und traumhaftes Wetter. Oben wurden wir von vielen Beifall klatschenden Zuschauern empfangen. Das macht Spaß :-) Flo und ich machten mal wieder Brotzeit an der Verpflegungsstation und verloren dadurch einige Plätze :-) Ab hier ging es durch den rutschigen Schnee nach unten. Nicht nur einmal saß ich auf dem Arsch. Wir liefen dann durch Zürs und über coole Trails nach Rauz. Flo hatte leider etwas Probleme mit seinem Knie. Wir hoffen das dies nicht schlimmer wird. Eigentlich dachten wir, dass das Ziel nahe ist, aber schwer getäuscht. Wir mussten einen krassen Anstieg zur Ulmer Hütte auf 2279 m hoch. Es war nur noch langsames steigen mit Stöcke möglich. Mal wieder ließen wir das Ballern, Ballern sein :-) Ziemlich kaputt kamen wir dann nach weiteren 600 Höhenmetern an der Hütte und gleichzeitig letzten Verpflegungsstation an. Von hier ging es dann tatsächlich nur noch bergab. Ok ein kleiner Gegenanstieg war noch drin :-) Die letzten 5 Kilometer mussten wir einen anstrengenden Downhill bewältigen und verloren mal wieder Plätze. Das sollten wir noch üben :-) Den letzten Kilometer auf der Straße in Sankt Anton konnten wir tatsächlich noch 2 Teams überholen. Das waren wir nicht gewohnt, da eigentlich nur wir überholt wurden. Nach 4h 33 min und 30 Sekunden waren wir dann endlich im Ziel. Ausgerechnet hatte ich gestern 3h 30 min. So kann man sich täuschen :-) Im Ziel gab es noch Fotos mit dem Trailrunhelden Philipp Reiter :-) Das alkoholfreie Bier in der Sonne ließen wir uns auch schmecken… Leider fielen wir in der Gesamtplatzierung auf Platz 105 zurück und in der Wertung Men auf Platz 36. Aber wir haben ja noch 5 Tage um unsere Stärke auszuspielen. Leider sind wir noch auf der Suche nach dieser :-) Am Abend ging es noch auf die obligatorische Pastaparty, Siegerehrung des Tages, Briefing für den nächsten Tag und den besten Fotos des Tages…



Stage 2:


Ergebnis Stage 2:


Stage 3 - St. Anton - Landeck: 43,5 km 2200 Hm

Zeit: 6:11:53
Platz 78 Gesamt von 248 theoretisch
Platz 14 Wertung Individual von 31

Der Worst Case: Flo kann nicht starten. Sein Knie schmerzt und Treppensteigen fast unmöglich, also 2000 Höhenmeter die Berge rauf donnern erst recht. Mir tut es extrem leid für Flo, aber das ist der Sport mit seinen Höhen und Tiefen. Aber es kommt sicher bald das nächste Rennen für ihn… Zuerst wollte ich mit aussteigen, aber die Dame vom Race Office erklärte mir, das ich trotzdem starten könnte. Ich müsste nur ein Team finden, mit dem ich in den Startblock gehen könnte. Dies war kein Problem und schon stand ich am Start zur 3. Etappe über 43,5 km und 2200 Höhenmeter. Leider wurde ich, warum auch immer in den Startblock C verfrachtet. Es regnete leicht, aber die Temperaturen waren zum Laufen mit ca. 10 Grad ganz angenehm. Nach dem Startschuss ging es ziemlich zäh voran. Ich ballerte gleich mal los. Hier hinten war es mir zu fad, also musste ich überholen. Jede Überholmöglichkeit nutzte ich und konnte so viele Plätze gut machen. Wir kamen dann von einer Forststraße in einen Trail bis zum höchsten Punkt an der Walchererhöhe. Von hier rutschten wir einen matschigen Singletrail nach unten. Ich hielt mich zurück, da bergab nicht gerade meine Stärke ist. Nach 13 Kilometer kam ich zur 1. Verpflegungsstation. Ab hier liefen wir teilweise auf Straße. Endlich ging es wieder nach oben :-) So richtig steil kämpften wir uns 800 Höhenmeter nach oben. Ich fühlte mich gut und konnte immer wieder Plätze einkassieren. Endlich erreichten wir die Verpflegungsstation 2 bei der Strenger Skihütte auf 1850m. Das Wetter wurde immer besser und die Sonne blitze heraus. Ab hier ging es nur noch bergab. Laut meiner GPS Uhr hatte ich nur noch 7 km zu laufen, aber die Strecke war leider länger als die ursprünglich geplanten 39,9 km. Fast 10 Kilometer konnte ich mit einem 4 bis 4:30 er Schnitt die Forstwege in Richtung Tal ballern. Endlich war ich bei Verpflegungsstation 3. Ab hier waren es aber immer noch 6,5 km bis ins Ziel. Langsam wurden die Füße schwer und wieder kamen kurze Anstiege. Nach langen 6 Stunden und 11 Minuten kam ich dann endlich ins Ziel in Landeck. In der Teamwertung fielen wir ja raus, aber in der Einzelwertung wurde ich gelistet. Im Team wäre ich theoretisch auf Platz 78 von 248 Läufern gelandet. Mittlerweile sind auch schon 31 Einzelstarter gelistet, deren Teampartner ausgefallen ist. Insgesamt sind schon knapp 50 Teams ausgefallen. Tja das ist der Trans Alpine Run :-) Mit dem Taxi fuhr ich dann zu unserem Hotel, wo Flo schon wartete. Sein Knie war nicht wirklich besser und er entschied endgültig aus dem Rennen auszusteigen. Am Abend besuchten wir noch die Pastaparty, bevor ich dann im Hotel mein Zeug für die nächste Etappe herrichtete. The Show must go on :-)



Stage 3:


Ergebnis Stage 3:


Stage 4 - Landeck - Samnaun: 46,9 km 3000 Hm

Zeit: 7:22:56
Platz 56 Gesamt von 223 theoretisch
Platz 14 Wertung Individual von 53

Heute musste ich wieder ohne Flo ran. Aber ganz klar wir werden das so nicht stehen lassen und ganz klar werden wir als Team diese Sache nochmals angehen… Wir frühstückten noch zusammen und Flo wartete dann auf seinen Papa, der ihn abholte. Ich wiederrum fuhr mit dem Shuttletaxi zum Start. Ich hatte heute die Ehre mich dem 3. Damenteam anzuschließen, die ebenfalls in unserem Hotel übernachteten. So kam ich in den Genuss im Block A starten zu dürfen. Irgendwie verging die Zeit und schon fiel auch der Startschuss um 7 Uhr zur Königsetappe des TAR. 46,9 Kilometer und 3000 Höhenmeter. Wir liefen durch Landeck auf kleinen Straßen. 5 Kilometer fast nur Asphalt und fast ohne Höhenmeter. It`s time to ballern. Obwohl im Starblock A nur die Elite stand, überholte ich mit einer 3:50 er Pace ein Team nach dem Anderen. So hatte ich schon mal einen guten Puffer für den ersten Anstieg. Wir mussten innerhalb 8 Kilometer 1700 Höhenmeter am Stück bis zum Fisserjoch auf knapp 2500 m hochjagen. Ich fühlte mich super und der Winklexpress gen Italien nahm so richtig Fahrt auf. Ich ballerte die Trails nach oben, so das nur so der Rauch bzw. Matsch davon ging :-) Vor mir die gestrigen Sieger der Mixed Wertung und ich selbst war an 3. Stelle der Damenwertung :-) Der Anstieg nahm kein Ende. Ich presste mir ein Geel und Hypo nach dem Anderen rein und konnte immer noch Gas geben. Zum Schluss mussten wir Direttissima eine schwarze Skipiste rauf, bis wir dann an der 1. Verpflegungsstelle angekommen waren. Eigentlich hatte ich erwartet das ich die steilen Trails nach oben durchgereicht würde, aber keiner überholte mich bzw. keiner konnte mich überholen :-) Ich aß eine Kleinigkeit und lief steile extrem matschige Trails mit viel Kuhscheiße nach unten. Bergab bin ich ja nicht gerade ein Held, aber auch hier wurde ich nur von zwei Teams überholt. Schnell kam die nächste Steigung zum Arrezjoch. Hier lag noch einiges an Schnee und der düstere Nebel machte den besonderen Reiz dieser Landschaft aus. Schön ist es in den Bergen. Da vergisst man die ganze Quälerei. Je höher ich kam, desto kälter wurde es. Ein paar Teams zogen an mir vorbei, da ich etwas zurücknahm. Ich wollte mich nicht komplett zerstören. Am Joch gab es die 2. Verpflegungsstelle, wo ich nochmal kräftig Energie in Form von Suppe, Obst und Schokolade zu mir nahm. Nun ging es 9 Kilometer durch Matsch und Schnee. Meine Schuhe waren patsch nass und die eh schon blauen Zehen froren sich den Arsch ab :-) Endlich war ich am höchsten Punkt des Rennens, der Ochsenscharte 2787 m. Ab hier sauste ich traumhafte Trails nach unten. Keiner überholte mich, obwohl ich in der Platzierung um den 50. Platz sein müsste. Und hier bewegten sich keine blinden Trailläufer. Alle wissen was sie tun und haben viel Erfahrung in diesem Terrain. Eigentlich sind fast alle TAR Starter erfahrene Trailläufer oder/und sehr gute Ausdauersportler. Also gibt es nur zwei Möglichkeiten: ich bin bergab besser geworden oder die können nicht mehr :-) Die schönen Trails nahmen leider ein Ende und ich musste mich steile Forstwege nach unten quälten. Meine Knie dankten es mir und fingen immer mehr zu schmerzen an. 7 Kilometer vor dem Ziel in Samaun kam noch die 3. Verpflegungsstelle. Hier trank ich eine Cola und lief gleich weiter. Bis zum Ziel führte eine wellige Strecke über Straße, kurze Trails und Forstwege. Endlich kam das Schild: 1 km to go. Geil die Königsetappe hatte ich ganz schön durchgeballert. Ich kam nach 7 Stunden 22 Minuten nach 46,9 km und 3000 Hm ins Ziel. Mittlerweile gibt es schon 53 Einzelstarter, deren Teampartner weggefallen ist. Hier holte ich mir den 14. Platz. Insgesamt sind schon 80 Teams von knapp 300 ausgefallen. Ich genoss das lecker Finisher Buffet im Liegestuhl in der Sonne. Es gab Brot, Würstl, Schweizer Käse, da wir ja mittlerweile in der Schweiz angelangt sind und alkoholfreies Weißbier. Mit Alkohol würde ich sonst mein Hotel nicht mehr finden :-) Ich bezog mein Appartement und am Abend fuhren wir alle mit der Gondel zum Piz Munschuns, auf 2700 Meter. Hier gab es ein super leckeres Abendessen bei der Pastaparty und Siegerehrung. Die Schweizer können es…


Am Start :-)


Stage 4:


Ergebnis Stage 4:


Stage 5 - Samnaun - Scuol: 39,5 km 2250 Hm

Zeit: 6:08:24
Platz 66 Gesamt von 207 theoretisch
Platz 16 Wertung Individual von 63

Ganz schön kalt heute, dachte ich mir, als ich um halb 7 die Nase für die Balkontüre rausstreckte. Ich frühstückte noch in meinem Appartement. Es gab kalten Kaba, Apfelkuchen, Milchschnitte und ein Balisto. Das sollte für 39,5 Kilometer und 2250 Höhenmeter reichen :-) Ich marschierte um viertel nach 7 in Richtung Start. Auf dem Weg traf ich einen weiteren Einzelstarter. Die Teams sterben wie die Fliegen :-) Ich suchte die Mädels vom Lauffeuer Chiemgau Team. Sie nahmen mich wieder in ihr Team auf, so dass ich auch in den 1. Startblock kam. Ob das so eine gute Idee ist, weiß ich nicht, da meine Füße alles andere als frisch waren. Am meisten Probleme machte mir das rechte Knie. Bergauf schmerzte es in der Kniekehle. Bei Sonne, kühlen Temperaturen und die Berge teilweise von kleineren Wolken verhangen, fiel der Startschuss in Samnaun. Wie jeden Tag ging es gleich zur Sache, nur heute sofort mit einer leichten Steigung. Ich blies aus dem letzten Loch, als ich mit einem 4:30 er Schnitt der Elite hinterher hechelte. Mein Knie schmerzte und ich musste auf schnelles gehen umsteigen, was aber nicht schlimm war, weil 99 % meiner verrückten Freunde das gleiche machten. :-) Wir kämpften uns 700 Höhenmeter zur ersten Verpflegungsstation hoch. Trotz meiner Schmerzen lag ich noch immer nicht schlecht in der Platzierung. Fighten war angesagt. Jetzt kam der erste Trail in ein traumhaftes Tal bergab. Das ging besser und vor allem ohne Aua. Bald mussten wir den nächsten Anstieg meistern und die Schmerzen waren wieder da. Zähne zusammen beißen war die Devise. Wer hätte das gedacht, das ich einen Downhilltrail herbeisehnen würde :-) Und dieser kam auch, aber irgendwie war das auch nicht besser. Jetzt schmerzten die Zehen, da mittlerweile alle 10 Zehnnägel blau waren :-) Ich kämpfte mich nach unten bis zur 2. Verpflegungsstation. Landschaftlich war das hier in den Schweizer Bergen ein Traum, aber ganz ehrlich, geschissen auf die Landschaft :-) 20 Kilometer hatte ich geschafft. Ab hier mussten wir von ca. 1800 Hm auf 2730 Hm hinauf. Das konnte ja was werden. Ich hatte ja schon viele Plätze eingebüßt und es würden wohl noch mehr werden. Aber wie sagt mein Trainer Preissl Ralf: Angeschlagene Löwen soll man nicht unterschätzen. Mein Knie tat nicht mehr weh und der Ballerwinkl war wieder zurück. Ich drückte nach oben, teilweise schnell gehend, teilweise laufend. Ich überholte Team für Team. Ich fühlte mich super und trotzte nur so vor Ehrgeiz und auch ein wenig vor Stolz. Der anschließende Downhill lief zuerst super, aber irgendwann machten sich doch die Zehen wieder bemerkbar. Aber egal die letzten 6 Kilometer ab der Verpflegungsstelle 3 sollten auch noch gehen, bzw. laufend gehen :-) Und so war es auch. Nach 6 Stunden 8 Minuten lief ich dann nach 39,5 Kilometer und 2250 Höhenmetern im Ziel in Scuol ein. Ich hatte schwere Füße aber nicht so schwer wie die Tage vorher. Ist das ein gutes Zeichen? :-) Vorsichtshalber suchte ich noch das Medical Zelt wegen meinem Knie auf. Der Arzt meinte dies wäre muskulär und mit einer Blackroll Einheit zu beheben. Mit dem Bier in der Hand machte ich dies dann auch, bevor ich meine Unterkunft suchte. Leider hat die Putzfrau dort vergessen, mein Zimmer zu säubern, so dass ich fast 2 Stunden im Gang mit meinen Dreckklamotten warten musste. Das Zimmer stank nach einem Aschenbecher, die Duschen waren am Gang und das Personal nicht wirklich freundlich. Das Hotel Quellenhof ist also nicht zu empfehlen. Dafür kostet es 130 Euro pro Nacht. Leider war nichts anderes mehr frei und somit musste ich wohl in den sauer Apfel beißen :-) Am Abend marschierte ich noch zur gefühlt 16 Kilometer 6350 Hm entfernten Seilbahnstation, da das Finisherbuffet und Co. auf dem Berg oberhalb Scuol in einem Panoramarestaurant stattfand. Das Essen war auch hier wieder richtig lecker :-) Aber das erfreulichste für mich war, dass heute Brigitte anreiste und um 21 Uhr im Hotel eintraf. Jetzt kann nix mehr schiefgehen, da gleich 2 meiner größten Fans morgen an der Strecke stehen werden :-)



Stage 5:


Ergebnis Stage 5:


Stage 6 - Scuol - Prad: 45,5 km 1750 Hm

Zeit: 5:58:48
Platz 73 Gesamt von 196 theoretisch
Platz 27 Wertung Individual von 69

Beim Frühstück um halb 7 war einiges los. Alle TAR Läufer hauten sich noch die Wampe voll :-) Langsam marschierten Brigitte und ich in Richtung Start. Meine Mädels vom Lauffeuer Chiemgau waren auch schon da und nahmen mich natürlich wieder in ihr Team auf :-) Es war sonnig und eisig, aber beim Laufen würde mir sicherlich warm werden. Meine Füße waren nicht frisch, aber ganz ok. Um 8 Uhr fiel dann der Startschuss zur 6. Etappe mit 45,5 km und 1750 Höhenmeter. Wie jeden Tag waren alle motiviert und preschten gleich mal los. 7 Kilometer hieß es jetzt ballern, da es leicht bergab ging. Ich lief vorne mit den Stars in Richtung Sur-En. Ich war dann sogar erstes Damenteam :-) Nach knapp über 30 Minuten und teilweise unter einem vierer Schnitt erreichten wir dann den Abzweiger zum schönsten Streckenabschnitt, die Uina Schlucht. Ich kannte diesen Teil, da ich die Schlucht schon mehrmals mit dem MTB durchquert hatte. Bergauf war nun schnelles gehen angesagt. Die zwei führenden Mädels aus Schweden liefen bergauf an mir vorbei und verdrängten mich auf den 2. Platz in der Damenwertung :-) Teilweise ging es ganz schön zäh nach oben. Ging ist auch der richtige Ausdruck. Mit Laufen bergauf war nicht mehr viel drin. Die Füße schmerzten und die Kraft ließ langsam nach. Endlich kam nach 13 Km und 800 Höhenmetern die erste Verpflegungsstelle um Energie zu tanken. Vor mir lag die Uina Schlucht mit dem in Fels gehauenen Weg aus dem 1. Weltkrieg. Die Sonne schien direkt auf die vielen Läufer und bot ein Bild der Superlative. Weiter lief und ging ich in die Schlucht. Teilweise war Vorsicht geboten, da Streckenteile nicht gesichert waren und es ganz schön nach unten ging. In der jetzigen Verfassung ist man schließlich auch nicht mehr so Trittsicher. Ich kämpfte mich durch die Schlucht und machte nebenbei auch noch viele Fotos :-) Weiter liefen wir dann über eine schöne Almlandschaft bis zur Sesvenna Hütte, wo ein steiler Singletrail bis zum Schlinigpass auf 2315 m hochführte. Jetzt kam das Grauen, steile Trails bergab. Meine 10 blauen Zehen schmerzten bei jedem Schritt. Mir war zum Heulen, nicht nur wegen der Schmerzen, ich hätte auch viel schneller nach unten ballern können. Aber so lief ich langsam und eher seitwärts. Aber vielen anderen erging es ähnlich und deshalb brauche ich nicht zu Jammern. Die Landschaft war ja traumhaft. Neben mir der schneebedeckte König Ortler und vor mir das herrliche Vinschgau. In Schlinig erwartete mich dann an der 2. Verpflegungsstelle Brigitte um mich zu motivieren. Ich tankte wieder Energie durch Brigitte und ein wenig auch durch Geels, Cola und Banane :-) Ich ballerte weiter, ok ballern war das nicht mehr was ich hier machte. Es ging eben noch immer bergab bis ich endlich knapp 2000 Höhenmeter nach unten hinter mir hatte. Jetzt liefen wir weiter auf dem Vinschgau Radweg. Das Wetter war herrlich und die Strecke leichtfallend abwärts. Also wieder rauf auf einen 4 er Schnitt :-) In Glurns erreichte ich dann die letzte Verpflegungsstation wo mir Brigitte ein letztes Bussi vor dem Ziel zur Motivation schenkte. Die restlichen 8,5 Kilometer waren ziemlich wellig. Kaum kam ich in Tritt, schon musste ich wieder bergauf. Und meine Füße hatten leider keine Kraft mehr zum bergauflaufen. Ich schaute auf meine Uhr. 5h 46 min und noch 3 Kilometer. Jetzt musste ich den Turbo einschalten um unter 6 Stunden zu bleiben und auf einmal lief es wieder nach 43 km und 1700 Hm :-) Nach 5 Stunden 58 min 48 sec erreichte ich das Ziel in Prad am Stilfser Joch, als 27. in der Wertung der Individual Finisher. Gesamt wäre ich auf Platz 73 gelandet. Viele weitere Teams mussten heute wieder aufgeben und sahen nie das Ziel. Aktuell laufen noch 196 von anfangs 300 Teams. Im Ziel humpelte fast jeder. Alles war dabei: gebrochene Nase und aufgeschlagene Knie durch Sturz, geschwollene Knöchel, blaue Zehen, offene Blasen bis auf die Knochen. Ich denke das keiner ohne Blessuren davon kommt. Aber auch das gehört zum TAR :-) Kämpfen bis zum letzten auch wenn es noch so weh tut. Im Medical Zelt standen die Läufer Schlange. Brigitte und ich genossen die Sonne und die Finisher Verpflegung, bevor wir nach Sulden zu unserem Hotel fuhren. Hier wurden wir freundlich empfangen und konnten auf der Terrasse noch einen wunderbaren Blick auf den Ortler und Sonne pur genießen :-) Am Abend nahmen wir noch an der Pastaparty und Wettkampfbesprechung für morgen teil. Die morgige Route wird wohl wieder nicht einfach. Mal schauen was das wird. Ich lasse mich überraschen :-)



Stage 6:


Ergebnis Stage 6:


Stage 7 - Prad - Sulden: 31,1 km 2600 Hm

Zeit: 5:39:05
Platz 52 Gesamt von 193 theoretisch
Platz 16 Wertung Individual von 70

Irgendwie stand ich heute mit einem weinenden Auge auf. Nur noch eine Etappe. Klar wird diese saumäßig hart, aber diese Woche war eine der schönsten Herausforderungen meines Lebens. Und ich liebe Herausforderungen. Brigitte begleitete mich zum Start, wo ich mich meinen Chiemgau Mädels anschloss, um wieder in den Startblock A zu kommen. Zum letzten Mal hörten wir „Highway to Hell“ vor dem Startschuss. Genau mein Song, bei dem ich so richtig losballern kann, wie Angus auf seiner Gitarre :-) Wir liefen leicht steigend aus Prad bei leichtem Regen hinaus. Ich versuchte so weit nach vorne zu kommen wie möglich, damit ich bei dem ersten Single Trail nicht ausgebremst werde. Mein Ziel war heute rausballern, den Berg rauf ballern und die beste Platzierung dieser Woche holen. Und wie ich rausballerte. Auf den ersten Trails lief ich mit teilweise unter einem 4 er Schnitt. Immer wieder mussten wir gehen, da es zu steil nach oben ging. Nach 6 Kilometer kam in Stilfs die erste Verpflegungsstation, wo mich Brigitte erwartete. Lange hielt ich mich nicht, weil ich meine gute Platzierung halten wollte. Nach Stilfs mussten wir einen extrem steilen, teilweise seilversicherten Singletrail fast 1000 Höhenmeter auf 6 Kilometer nach oben. Hier war überholen unmöglich. Ich war aber in einer sehr guten Position und konnte schnell nach oben drücken ohne ausgebremst zu werden. Meine Füße waren fit und auch konditionell machte mir keiner was vor. Auf über 2100 m liefen wir über Almwiesen, bis es wieder nach unten ging. Ich sauste über die Wurzeln und Steine bis der Rauch davonging. Aktuell war ich zweites Damenteam, dicht gefolgt von Platz 3 und 4 :-) Bei Kilometer 17 und strömenden Regen erreichte ich etwas zu früh die dritte Verpflegungsstation bei Trafoi auf ca. 1500 Hm. Meine Berechnung war leider falsch, bzw. ich hatte mich selbst unterschätzt und Brigitte eine spätere Ankunftszeit genannt. Ich füllte meine Flaschen auf und lief weiter in den Nebel des Ortlers hinein. Ab hier hatte ich nun die letzten 1400 Hm am Stück. Ich kämpfte mich die steilen und felsigen Wanderwege nach oben. Team für Team musste dran glauben, weil ich nur so vor Energie strotzte. Und das musste ich ausnutzen. Auf 2188 m kamen wir zur Berglhütte, wo wir direkt durch die Hütte liefen. Hier bekamen wir Tee und Kuchen vom Hüttenwirt. Schnell sauste ich weiter zu einem Geröllfeld. Wir kamen ins Hochgebirge und das merkte man auch an den Temperaturen. Diese gingen zurück und zurück, bis teilweise unter 0 Grad. Ganz schön huschig mit der kurzen Hose. Wir kletterten über Felsen, zogen uns an Seile nach oben und liefen über den Steinschotter. Noch 300 Höhenmeter bis zur Tabarettascharte auf 2886 m. Hier war ein Team von Plan B und bestand drauf das wir Jacke und Handschuhe anzogen. Langsam ging mir der Saft aus. Mit letzter Kraft erreichte ich die Scharte, wo uns ein weiteres Team empfing. Klar ging Sicherheit vor und wir würden Hilfe bei Problemen bekommen. Ich brauchte aber nur einen Riegel aus meinem Rucksack und einen Schluck Hypo. Und Action, ab hier ging es bergab. Zuerst war der Weg ziemlich ausgesetzt und wer lief, der war lebensmüde. Der Weg wurde besser, aber es ging noch immer steil bergab. Aber laufen war schon möglich wenn man sich traute :-) Ich ballerte nach unten und wollte auch keinen Platz mehr hergeben. Das Ziel war nah und die letzten 3 oder 4 Kilometer Wurzeltrail machten richtig Spaß. Hier konnte ich nochmals Plätze gutmachen. Kurz vor dem Ziel empfing mich Brigitte und ich freute mich sehr die beste Ehefrau der Welt zu sehen. Mit Tränen in den Augen lief ich dann in eine Halle, in der das Ziel war. Krasse Sache ich hatte den TAR geschafft. Nach 5 Stunden 39 Minuten holte ich mir den 16. Platz bei den Individualfinishern und Gesamt wäre ich im Team theoretisch auf den 52. Platz gekommen. Und das war die beste Platzierung dieser Woche, so wie ich selbst von mir gefordert hatte. Ich umarmte Brigitte und wir freuten uns zusammen über die erbrachte Leistung. Wir aßen noch am Finisher Buffet, bevor wir die Heimreise antraten. Ich wollte nach Hause zu Emma, da ich morgen Abend beruflich für 2 Wochen nach Mexiko fliegen werde.



Stage 7:


Ergebnis Stage 7:


Fazit:

Wo soll ich anfangen? Der TAR ist einfach ein megastarkes Event, dass einem alles abverlangt. Ich bin aber an keinem Tag an meine Grenzen gekommen. Es ist erstaunlich was Tag für Tag möglich ist, denn dies verlangt natürlich große Willensstärke. Und die habe ich :-) Jeder Tag war für sich ein Traum, was vor allem die Berge ausmachten. Die Organisation von Plan B konnte nicht perfekter sein. Ein Dankeschön an den Veranstalter. Insgesamt war ich 40 Stunden 50 Minuten auf 274,5 Kilometern und 15300 Höhenmetern von Deutschland nach Italien unterwegs. Jetzt bin ich kein schlechter Läufer, aber hier waren so viele top Trailläufer aus knapp 30 Nationen vertreten, so dass ich nur mit Mühe in das erste Drittel in der Platzierung vorstoßen konnte. Aber eigentlich war dies zweitrangig, Finishen war das oberste Gebot, da von 300 Teams nur 193 im Ziel ankamen. Ich lernte viele positiv verrückte Menschen kennen, wie die Mädels vom Lauffeuer Chiemgau, oder Jamie Ramsey, den immer gutgelaunten Schotten und und und. An diese Woche mit vielen Höhen und Tiefen werde ich ein Leben lang zurückdenken. Ein Tiefpunkt war, als Flo schon nach dem 2. Tag verletzungsbedingt aussteigen musste. Dies tat mir wahnsinnig leid für ihn, aber das Kapitel Trans Alpine Run ist für Flo sicher noch nicht geschlossen. Ganz klar kann er auf mich als Teampartner zählen. Denn es steht außer Frage, ich werde wiederkommen. 7 Tage durch die Berge ballern, was gibt es schöneres :-)


Ergebnis Gesamt Platz 12 von 49 Individual:


Startnummer:


Zeitungsbericht in der Mittelbayerischen:


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