Ironman Frankfurt 30.06.2019

Mein schlechtester, härtester und heißester Ironman in 12:32:51
Ironman Frankfurt am 30.06.2019
Veranstalter: Ironman
Strecke: 3,8 km / 185 km / 42,2 km
Höhenmeter Rad: 1400
Platz Gesamt Männer: 933 von 1823
Platz AK M45: 168 von 352
Swim: 1:13:30
T1: 6:52
Bike: 6:00:20
T2: 3:14
Run: 5:08:58

Pre-Racebericht:

Mein schlechtester, härtester und heißester Ironman drückt das Rennen am besten in wenigen Worten aus. Die Voraussetzungen für ein Rekordrennen waren alles andere als Optimal, fast 40 Grad, Neoverbot und eine überlange Radstrecke :-) Schon am Freitag fuhren wir am Morgen in Richtung Frankfurt los. Meine kleine Tochter Emma ließ es sich nicht nehmen ihren Papa bei dem Hitzerennen beizustehen, was mich sehr freute. Sie hatte ja auch die Wahl Urlaub bei der Omi und dem Opa zu machen. In Frankfurt hatten wir zuerst mit einem Parkplatzproblem zu kämpfen. Die Tiefgarage unseres Hotels „Intercontinental Frankfurt“ war belegt. Nach mehreren Irrfahrten um den Block fanden wir eine nahegelegene Tiefgarage. Unser Hotel war gespickt mit der Triathlonelite. Schon beim Einchecken trafen wir auf die Triathlonlegende Faris al Sultan. Auch die Weltmeister Frodeno, Kienle und Lange waren im Interconti untergebracht. Und natürlich alle Athleten von tRi.P.coaching waren im Race Hotel. Am Nachmittag holten wir die Startunterlagen, besuchten die Messe und nahmen an der deutschsprachigen Wettkampfbesprechung teil. Später fanden wir noch einen schönen Spielplatz für Emma natürlich im Schatten, da die Temperaturen schon weit über 30 Grad betrugen. Am Abend trafen wir uns noch mit den anderen tRi.P.coaching Athleten beim Italiener zum Essen. Der Vorwettkampftag sollte eigentlich zum Füße hochlegen genutzt werden, aber das klappte leider nicht so ganz :-) Vor dem Frühstück starteten wir zu einem kurzen Taperinglauf am Main. Nach dem ausgiebigen Frühstücksbuffet gab es ein motivierendes Briefing von Ralf für alle seine Schützlinge. Im Anschluss fuhren Emma, Brigitte und ich an den Langer Waldsee, wo ich mein Rad durchcheckte und eine kleine 3 km Testrunde drehte. Wir marschierten dann vom Parkplatz über 1 km bis zum Strandbadeingang, wo sich auch die Wechselzone befindet. Emma übte mit Brigitte schwimmen und ich legte eine kurze Open Water Swim Einheit ein. Der See mit Sandstrand hatte schon über 25 Grad, somit gab es am Neoverbot nichts zu rütteln. Später checkte ich mein Bike und Wechselbeutel in der Wechselzone ein und wir marschierten wieder zurück zum Parkplatz. Jetzt mussten wir nach Friedberg, da Emma für den Ironkids Run gemeldet war, der um 16:25 Uhr startete. Ich hatte aber bei der Anmeldung nicht umrissen, das Friedberg 40 km außerhalb Frankfurts liegt. Und auch noch in der entgegengesetzten Richtung des Langner Waldsees. Aber Emma freute sich schon auf den 500 m Lauf :-) Somit fuhren wir nach Friedberg. Es war leider schon so richtig heiß. Wir fanden einen schattigen Parkplatz, wo wir noch etwas im Auto ruhten. Es gab unterschiedliche Altersgruppen und somit unterschiedliche Streckenlängen, die die Zwerge zurücklegen mussten. Emma war beim Bambinilauf gemeldet, der sich leider um eine halbe Stunde verzögerte. Emma stand hochmotiviert am Start, wurde aber von hinten geschubst und fiel dadurch auf die Knie. Trotzdem wollte sie weiterlaufen. Weinend und mit blutigen Knien lief sie dann zusammen mit Brigitte los. Trotzdem schaffte sie die 500 m in 3:43 min und wurde 18. von 29. Mädels. Ich war stolz auf meine kleine Maus, weil sie nicht aufgegeben hat. Ein DNF ist keine Option :-) Einen Tag später beim Ironman würde ich mir meine Tochter als Vorbild nehmen. Never give up !!! Stolz wie Oskar präsentierte sie ihre Finishermedaille. Kurz wurde sie noch im Sani Bereich mit einem Verband verarztet, bevor es zur Belohnung ein leckeres Eis gab. Später gingen wir noch zum Italiener und fuhren dann zurück nach Frankfurt wo wir müde ins Bett fielen…

Ergebnis Kidsrun:

Raceday:

Richtig gut konnte ich nicht schlafen und 5 Stunden dösen waren auch nicht wirklich entspannend, aber das war bisher immer schon so vor einem Ironman :-) Ich ging zum Frühstücken, wo die komplette tRi.P.coaching Fraktion schon anwesend war. Zurück im Zimmer waren meine Mädels auch schon wach. Die tapfere, kleine Maus kämpfte sich aus dem Bett um ihrem Papa beizustehen. Mit dem Shuttlebus fuhren wir zum Langner Waldsee, wo ich mein Bike in der Wechselzone überprüfte, Getränkeflaschen deponierte und die Wechselbeutel checkte. Die Zeit verging und nachdem ich mich von meinen zwei Mäusen verabschiedete, stand ich auch schon am Schwimmstart. Es gab wieder einen Rolling Start, wo ich mich bei der 1h bis 1h 10 min Schwimmzeit einordnete. Zuerst waren die Profis dran und dann die Age Grouper. Und schon war ich im Wasser. Zuerst musste ich mich orientieren, aber dann ging es ziemlich gut. Nach der ersten Wende schwammen wir direkt gegen die Sonne und ich versuchte mich an den Athleten vor mir zu orientieren. Nach gefühlt einer Ewigkeit kam ich zum Australiean Exit. Nach dem kurzen Landgang schwamm ich weiter. Mir ging es noch gut aber irgendwie hatte ich im Gefühl sehr langsam zu sein. Nach der zweiten Wende blendete wieder die tiefstehende Sonne. Ein orientieren war kaum möglich und ich musste mich auf meine Vordermänner bzw. Frauen verlassen, dass sie keine Umwege schwammen :-) Das Schwimmen zog sich in die Länge. Endlich sah ich den Zielbogen und in dem Moment bekam ich auch einen Krampf in der linken Wade. Shit hoffentlich gehe ich nicht unter, dachte ich. Auch in der rechten Wade krampfte es. Der Krampf löste sich zwar wieder, aber ich musste noch langsamer und noch vorsichtiger weiterschwimmen um nicht einen richtigen Krampf zu provozieren. Nach einer Ewigkeit, sprich 1h 13 Minuten stieg ich als 590. Athlet aus dem Wasser. Die Zeit war bescheiden, die Platzierung gar nicht so schlecht. Ich lief in der Wechselzone zuerst zur Toilette. Anscheinend hatte ich zu viel Wasser geschluckt :-) Schnell zog ich mich um und schob das Bike aus der Wechselzone. Hier feuerte mich Emma und Brigitte an. Dadurch motiviert ging ich auf die Radstrecke. Aber schon zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich sämtliche von mir gesteckten Zeiten canceln konnte. Das wird heute weder eine Sub 10 noch eine persönliche Bestzeit, aber wenigstens die 11 Stunden Marke wollte ich knacken. So der Plan, der nicht aufgehen würde… Zuerst bretterte ich mit einem 40 er Schnitt auf der gesperrten Autobahn in Richtung Frankfurt. Meine Beine wurden langsam wieder fitter und ich fühlte mich gar nicht so schlecht. Der Rückenwind begünstigte auch noch meine Geschwindigkeit. Der Speed war ganz gut und ich erreichte nach knapp 15 Kilometern die erste von zwei Radrunden, die wir absolvieren mussten. Noch einige Kilometer ging es eben dahin, bis ich die erste Steigung und auch Verpflegungsstation erreichte. Bisher benötigte ich noch nichts, da mein Rad mit 4 Flaschen Hypo bestückt war. Die ersten 100 Kilometer schaffte ich unter 3 Stunden und war dadurch motiviert bis in die Zehenspitzen. Flo fuhr nach ca. 110 km auf mich auf und wir fuhren zusammen weiter. Uns beiden ging es noch super und wir konnten so richtig auf der Radstrecke ballern. Es wurde leider aber immer wärmer. Für 13 Uhr waren ja schon 38 Grad gemeldet. Die hohen Temperaturen spürten wir und nahmen deshalb immer wieder Flaschen mit Wasser auf, welches wir uns zur Abkühlung über den Kopf und Oberkörper schütteten. Bei 150 km kam der Totaleinbruch bei Flo und mir fast zeitgleich. Ab Friedberg waren es noch knappe 30 Kilometer. Diese hatten es in sich. Nur Gegenwind, schwere Füße und knappe 40 Grad. Teilweise war nur ein 20 er Schnitt möglich. Am Heartbreak Hill wurden wir durch die vielen Zuschauer nach oben gepuscht. Fast wäre ich abgestiegen und wollte schon schieben, weil ich so kaputt war :-) Das ließ aber mein Ego nicht zu. Irgendwie schafften wir es zurück nach Frankfurt in die Wechselzone. Die überlange Radstrecke mit 185 Kilometern und 1400 Höhenmetern schaffte ich in 6 Stunden als 953. Athlet. Immerhin ein knapper 31 Schnitt. Nicht top, aber bei den Bedingungen dann doch ganz ok. Ich fiel regelrecht vom Rad und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen einen Marathon bei der Hitze zu laufen. Aber ganz klar zog ich meine Laufschuhe an und lief los. Ich war so ausgelaugt, energetisch am Ende wie noch nie. Nach einem Kilometer traf ich auf meine beiden Mädels. Obwohl ich so kaputt war, freute ich mich sehr meine Mäuse zu sehen. Mit motivierenden Worten und Bussis schickten mich die beiden wieder auf die Laufstrecke. Ich hatte ja „nur“ noch 41 Kilometer :-) Ich quälte mich zu laufen und kam langsam, aber wirklich nur langsam in Tritt. Den ersten Halbmarathon schaffte ich in knapp unter 2 Stunden. Immerhin, aber dann ging es so richtig den Bach hinunter. Ich traf auf Flo, der mit Kreislaufproblemen kämpfte. In der dritten Runde war klar, dass ich die 11 Stunden Marke nicht mehr schaffen konnte und das war für mich auch der Knackpunkt, wo ich mich aufgab. Klar gab ich nicht das Finish auf, aber jegliche, angepeilte Zeit. Ich hatte ja genügend Ultraerfahrung und wusste das man auch gehend das Ziel erreichen kann :-) Zum dritten Mal erreichte ich Emma und Brigitte, meine Motivation war im Keller, aber die Mädels bauten mich nochmal auf. Ich ging, lief und schleppte mich weiter. Die Sanitäter waren ununterbrochen im Einsatz, da immer wieder Athleten körperliche Probleme hatten. Endlich die letzte Runde, aber auch diese 10 Kilometer können verdammt lang sein, wenn man nicht mehr laufen kann. Ich versuchte Cola und Geels aufzunehmen, was nur noch bedingt klappte. Ich ließ Cola im Mund um den Zucker über die Mundschleimhäute aufzunehmen. Der Magen schaffte es nicht mehr. Meinen Kopf versuchte ich mit Eis zu kühlen und auch ins Trikot stopfte ich Eiswürfel um keinen Hitzschlag zu bekommen. Die Sonne brannte unbarmherzig auf mich nieder. Die Kilometer zogen sich gefühlt ins unendliche. Aber dann kam die letzte Verpflegungsstelle 1 km vor dem Ziel. Noch einmal stellte ich mich unter eiskaltes Wasser, trank einen Schluck Red Bull und dann versuchte ich nochmal zu laufen. Mit einer 7 er Pace lief ich in den Zielkanal und sah meine beiden Mädels. Ich war emotional am Ende und mir kamen vor Freude und Erschöpfung die Tränen. Der Zielkanal war der Wahnsinn. Alle klatschten mich ab und bejubelten meine Leistung, obwohl diese bescheiden war. Nach ewigen 5 Stunden und 8 Minuten, die ich für den Marathon benötigte, stolperte ich endlich über das Ziel. Zum 7. Mal hieß es nun für mich: „You are an Ironman“. Gesamt benötigte ich mega schlechte 12:32:51 Stunden. Ich wurde 168 von 352 in der Altersklasse M45 und Gesamt holte ich mir den 933. Platz von 1823 bei den Männern. Im Ziel musste ich mich erst einmal setzen und mich etwas erholen, bevor ich duschen ging und wieder einen Menschen aus mir machte. Erst dann ging ich aus dem Zielbereich und nahm meine zwei Mäuse in die Arme. Nachdem wir das Bike und Wechselbeutel aus der Wechselzone geholt hatten, gingen wir noch essen. Aber mein Hunger hielt sich nach diesen Strapazen ziemlich in Grenzen. Aber ein Weißbier passte wieder rein :-) Am nächsten Tag machten wir uns wieder auf die Heimreise…

Fazit:

Hitzeschlacht beim Ironman Frankfurt - meine schlechteste Ironman Zeit (12h 32 min), mein heißestes Rennen (39 Grad), mein härtester Kampf zu finishen (1200 Starter kamen nicht ins Ziel oder traten nicht an) und es war mein 7. Ironmanfinish…

Ergebnis:

Schwimmen:

Bike:

Run: